Szenen einer Ehe

Astor-Albernia

ALDENROTH/ASTORIA CITY. Ein imperianischer Sänger trällerte einst „Ich weiß auch nicht wie’s ohne Sie hier weiter geh’n soll, doch woll’n wir das ab nächsten ersten mal probier’n“ und trifft damit die Befindlichkeiten einiger astorischer Politiker, die es am liebsten demnächst mal ohne den langjährigen Bündnispartner Albernia probieren wollen. Dabei gibt in der Geschichte wohl kaum ein älteres, tieferes und festeres Bündnis als die „Albernian Astorian Alliance“. Einzig die „Dreifaltige Allianz“ (bestehend aus Bananaworld, Pizzaros und Pottyland) dürfte wohl ein Bündnis ähnlichen Ausmaßes gewesen sein. Zuletzt war es aber ruhiger im zwischenstaatlichen Austausch geworden und es schien, als hätten sich die Partner dies- und jenseits des Nordaniks nicht mehr viel zu sagen. Dies führte bereits vor einem Jahr zu Verstimmungen (wir berichteten).

Jetzt stieß die Social Conservative Union im US Congress mit einem Vorschlag vor, die Allianz endgültig aufzukündigen. Congressman Kevin Baumgartner erklärte die AAA für tot und hielt dem Kingdom vor, dass es zu einem Land geworden sei, „bei dem die Eröffnung des Parlaments länger dauert als die Legislaturperiode“. Daher sehe er „keinen auch nur im geringsten greifbaren Nutzen darin dieses Abkommen aufrecht zu erhalten“ und forderte einen Schlussstrich zu ziehen. Die Reaktionen in Albernia ließen nicht lange auf sich warten. Promt erklärte der Labour-Parteichef Alfie Callahan, dass man sich ebenfalls „neu orientieren müsse“, sollte die neue Präsidentin den Kurs ihrer Vorgängerin fortsetzen. Schon Präsidentin Erika Varga hatte im Wahlkampf klar gemacht, dass sie nichts vom astorisch-albernischen Bündnis halte. Doch auch wenn die neue Präsidentin Béatrice Laval (Demokraten) die Allianz nicht mit Bausch und Bogen ad acta legen will, so dürfte ihre Priorität nicht unbedingt auf der Wiederbelebung der transnordanischen Beziehungen liegen. Auch das hatte sie im Wahlkampf bereits formuliert.

Wie aus gutinformierten Politikkreisen zu vernehmen war, soll President-elect Laval indes gegenüber albernischen Politikern erklärt haben, dass sie nach langer Ehe nicht unabgesprochen die Scheidung einreichen, sondern zuerst einmal den Weg zum Paartherapeuten suchen würde. Rückendeckung dafür dürfte sie wohl im Congress finden, wo die Debatte zum Antrag der SCU zur Stunde andauert. Die bisherigen Teilnehmer der Diskussion äußerten sich zurückhaltend ablehnend gegenüber einer Aufkündigung des Vertrages. Und auch in Albernia scheint man sich angesichts der Haltung der zukünftigen Chefin im Weißen Haus moderater zu geben. Die vormalige Premier- und Außenministerin Dame Nessie Dyce (Tories) soll sich am Rande eines Meinungsaustausches vehement für ein „festes astorisch-albernischen Bündnis“ ausgesprochen haben, zu dem sie versuchen werde, ihren Teil beizutragen.

Es gilt jetzt wohl die Abstimmung im US Congress und die Neukonstituierungen der astorischen und albernischen Regierungen abzuwarten, bis man eine endgültige Aussage über die mittelfristige Entwicklung abgeben kann. Der dreibürgische Dichter Walter Baum formulierte es im 19. Jahrhundert bereits treffend so:

„Wenn man es nur versucht, so geht’s,
das heißt mitunter, doch nichts stets.“

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